Südwesteuropa Teil III: Hochzeit, Höhenrekord und Historienreise

Franziska Reisebericht Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , ,
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Cádiz hat eine schöne Altstadt, deren Kathedrale wir mit Sack und Pack erkunden. Sie kostet sechs Euro Eintritt und man bekommt einen Audioguide, den ich aber schnell ausgeschaltet habe. Hier kann man schon ein wenig Zeit verbringen, um sich alles anzusehen.

Wir haben noch kein Frühstück gehabt und denken, dass der vegane Stand auf dem Markt bald aufmacht. Pustekuchen, wir sitzen auf einer Bank, mit leeren Mägen, 12 Uhr, pralle Mittagssonne, voll mit Gepäck. Nichts passiert. Ich hoffe noch darauf, dass der Stand zu „spanischen 12 Uhr“ öffnet, aber Oliver findet derweil auf deren Facebook-Seite heraus, dass das Konzept umzieht und ein Restaurant eröffnet. Platt gehen wir schließlich zum Casa Nueva Postas, wo es ein paar vegane Gerichte gibt. Alles war ein wenig lieblos, die Pommes komisch und die Burger haben nach nichts geschmeckt. Mein Rote Bete Quinoa Bratling ist leider auseinander gefallen und hat mit dem Ketchup zusammen ein entsprechendes Schlachtfeld auf dem Teller verursacht.

Gestärkt verlassen wir die Stadt und fahren nach Gibraltar. Hier fahren wir einfach mit dem Auto selbst hinein, da wir gelesen haben, dass es eine schlechte Idee sei, das Auto außerhalb stehen zu lassen und den Bus zu nehmen. Angeblich werden da die Autos reihenweise aufgebrochen. Ob das stimmt, wissen wir nicht. Aber so fahren wir einmal durch bis zum Europa Point und können auf den Nachbarkontinent blicken, ganz ohne Fernrohr.

Nach Almería, wo wir übernachten wollen, fahren wir ohne große weitere Stopps durch. Andalusien wird hier immer wüstiger und es ist total spannend, an den ganzen Nationalparks vorbeizufahren. Ich bin ein wenig traurig, dass ich nicht dort wandern gehen kann, weil uns die Zeit fehlt.

Wir kämpfen gegen die Müdigkeit

Erschöpft stehen wir am nächsten Morgen früh auf. Um ein bisschen vom Fahren herunterzukommen, hat uns der Fernseher noch etwas vom Schlafen abgehalten. (Die Qualität des von uns gewählten Fernsehprogramms lässt zu wünschen übrig: Es ging um dubiose Schönheitsoperationen.) Da unser Parkplatz nur bis 07.30 Uhr kostenlos ist und wir nicht umparken wollen, sind wir dementsprechend früh auf den Beinen (eher wackelig) und fahren los.

Wir halten etwas später an einer Tankstelle und frühstücken mal wieder im Auto. Bei der Weiterfahrt wollen sich unsere Augen immer wieder schließen. Meine fallen zu und ich schlafe, kurz nachdem ich verkünde, dass ich jetzt auf jeden Fall wachbleibe. Zum Glück ist Oliver als Fahrer disziplinierter und hält durch.

Wir fahren bis nach La Azohia und halten am Rivemar Tauchcenter an der Küste. Mit Blick auf das Meer essen wir in der hauseigenen Bar Terraza del Mar jeweils ein Hummusbaguette. Zu meiner Freude (…nicht) habe ich eine ganze Knoblauchzehe (also in einem Stück) auf dem Baguette, was ein bisschen komisch schmeckt, als ich hineinbeiße.

Ausgelaugt kommen wir kurze Zeit später an der Villa in La Manga del Mar Menor, unserer Zieldestination, an und warten auf die anderen Hausbewohner. Abends kommt das Brautpaar vorbei und wir bestellen Pizza. Der Bräutigam schafft es tatsächlich, eine vegane Version für uns zu bestellen – das geht nur mit Ausschlussverfahren („kein Schinken, keine Salami, kein Käse, kein Mozzarella, …“), aber es funktioniert.

Entspannung und spanisch-deutsche Hochzeit

Wir kommen endlich wieder etwas zur Ruhe, gehen am Strand spazieren und wohnen natürlich der spanisch-deutschen Hochzeit bei. Nach der kirchlichen Trauung in Cartagena fährt die Hochzeitsgesellschaft mit Bus und Auto zurück nach La Manga. Hier findet, direkt am Meer, die Party statt. Die Aussicht ist traumhaft und auch das Essen schmeckt uns sehr gut. Zum Glück bekommen wir ein komplett veganes Überraschungsmenü. So genießen wir den lauen Hochzeitsabend in schöner Atmosphäre. In der Nacht fährt noch extra ein Churros-Wagen vor, der die Hochzeitsgäste mit der spanischen Leckerei versorgt.

In den nächsten Tagen passiert nicht viel. Da wir eine Woche am gleichen Ort bleiben, kann nun endlich wieder ein bisschen gearbeitet werden.

Einen Tagesausflug nach Murcia, die „Hauptstadt“ der gleichnamigen Region, machen wir gegen Ende der Woche. Im Landesinneren ist es gleich mal viel wärmer als an der Küste, weil der Wind fehlt. Direkt am Anfang der Stadt gibt es einen riesigen kostenlosen Parkplatz, wo wir stehenbleiben. Nachdem wir uns die Kathedrale angesehen und eine Kerze für das Brautpaar angezündet haben, gibt es schnell einen Kaffee.

Unser Mittagessen nehmen wir im El Girasol ein, eine Empfehlung von einem Bekannten, dessen Schwägerin dort kocht. Nach kurzen Verständigungsschwierigkeiten haben wir geklärt, wer die Schwägerin ist und auf wessen Empfehlung wir da sind. Wir bekommen einen Tisch für eine Stunde, denn ansonsten ist alles voll. Eine Reservierung ist wichtig! Das Mittagsmenü besteht aus Salat von der Salatbar, dem ersten Gericht, dem zweiten Gericht und einer Nachspeise. Das Ganze bekommen wir für 13 Euro pro Person, also wieder ziemlich günstig im Vergleich zu deutschen Preisen. Um das reichhaltige Menü direkt wieder zu verbrennen, kraxeln wir anschließend zur Hälfte einen Berg mit einer Christusstatue à la Rio de Janeiro hinauf.

Schnell ist die Woche auch schon wieder vorbei…

… und es wird Zeit, wieder in Richtung Deutschland aufzubrechen. Für diesen Tag haben wir uns viel vorgenommen: Wir wollen bis nach Barcelona fahren. Das sind über 600 Kilometer, deshalb legen wir einen Zwischenstopp in Valencia ein.

Valencia zeigt uns sehr viel Street Art, die wir bewundern, bevor wir im Fast Food Restaurant The Vurger verschwinden. Was soll es hier auch anderes geben, außer, richtig, vegane Burger. Um die Pause perfekt abzurunden, statten wir noch dem Café Beat Brew Bar einen Besuch ab. Erst seit einem Monat gibt es dort Kaffeekreationen mit Pflanzenmilch und vegane Cookies. Die Besitzer sind sehr nett und total glücklich über unseren Besuch.

Jetzt ist es nicht mehr ganz so weit bis Barcelona. Dort stellen wir den Jeep im Manhattan Parking ab. Es ist zwar sehr teuer (70 Euro für einen 4×4-Wagen und zwei Tage), dafür steht uns keinerlei Höhenbeschränkung im Weg.

Zum Glück ist unser Hotel direkt um die Ecke, denn wir sind sehr k.o. von der langen Fahrt. Wir schaffen es auch nicht mehr aus dem Zimmer. Abendessen gibt es also auf dem Bett. Ich krümle alles mit Taboulé und Brot voll und ernte einen lieb gemeinten vorwurfsvollen Blick, als Oliver durch die Krümelwüste watet.

Es folgt ein anstrengender Stadtbesichtigungstag

Frühstück gibt es im Santoni Café, zu dem wir schon eine kleine Strecke zurücklegen müssen. Es ist ein kleines Café, aber leider nichts Besonderes. Wir essen zwei eher kleine Baguettes mit Tahini, Babyspinat und Tomaten. Aus Angst vor wiedereintretendem Hunger schieben wir noch zwei Empanadas nach.

Die anschließende Free Walking Tour vom Placa de Catalunya aus führt durch das Gothic Quarter. Wir empfinden es beide als nicht so spektakulär, sind aber froh über den langen Fußmarsch. Danach muss neue Energie her, die wir uns in der CatBar – wieder mal, wie sollte es auch anders sein – in Form von Burgern holen. Die Bar ist einem Pub sehr ähnlich, denn es gibt auch verschiedene Bier- und Cidersorten.

Unsere Füße tragen uns noch ein paar Geschäfte weit und dann den Weg zurück zum Hotel. Wir möchten uns noch die Sagrada Familia ansehen, die in unserer Nähe ist. Schwerfällig kämpfen wir uns nochmal hinaus und legen die kurze Strecke zurück, haben uns nach kurzer Zeit schon sattgesehen und brechen zum letzten Programmpunkt auf. Unweit der Kathedrale gibt es einen veganen Supermarkt, Ecocentre. Außer ein paar Süßspeisen finden wir hier nichts Unbekanntes, freuen uns aber dennoch über die Größe des Marktes.

Essen auf 2000 m Höhe

Etwas ausgeruhter stolpern wir den Tag darauf auf der Suche nach Frühstück über das Cheese and Cake, das eine spezielle vegane Karte aufweisen kann. Unser Frühstück besteht zwar aus fast den gleichen Ingredienzen in unterschiedlich präsentierter Form, aber immerhin. Wir tragen das zufällig gefundene Café direkt auf HappyCow ein und machen den Besitzer damit glücklich.

Weiterfahren und Strecke machen ist heute angesagt. Zwischendurch wollen wir aber noch kurz einen Eindruck von einem uns bisher unbekannten Land gewinnen: Andorra. Hier fahren viele Motorräder und Quads herum, denn es ist sehr bergig und erinnert uns ein wenig an die Schweiz. Besonders schön finden wir die Ansiedlungen nicht, die Berglandschaft macht da ein bisschen mehr her. Wir fahren auf mein Beharren hin durch den Tunnel statt über den Pass, landen aber dennoch auf 2000m Höhe und nehmen dort in der Kühle unser Mittagessen ein.

Bei der Talfahrt passieren wir schon die Landesgrenze nach Frankreich. Mit jedem Meter, der uns weiter nach unten führt, steigt die Temperatur um gefühlt ein Grad an. Die Landschaft schlängelt sich sehr romantisch vor uns dahin. An einer Stelle müssen wir anhalten, weil die Kunstflieger der Patrouille de France gerade eine Show bieten und in den verrücktesten Formationen durch die Luft gleiten.

Kraftlos kommen wir in Carcassonne an. Oliver muss als letzte schweißtreibende Tagesaufgabe in eine superenge Garage einparken, in der schon ein weiterer, spanischer Gast mit einem breiteren Van steht. Wie ist der da bloß reingekommen?

Ein bisschen Mittelalter

Noch vor den meisten anderen Touristen tauchen wir in das Mittelalter ein. Die Cité de Carcassonne ist ein von Stadtmauern umgebenes UNESCO Weltkulturerbe. Kirche und Burg sind beeindruckend, die vielen putzigen Läden und Restaurants bringen den französischen Flair in die kleinen Gässchen. Oliver fühlt sich an den Mont Saint-Michel an der Atlantikküste erinnert. Als wir durch das Stadttor zurückgehen, kommen die Touristen schon in Scharen und es herrscht Hochbetrieb in den kleinen Geschäften und Gaststätten. Es ist also immer gut, früh wach zu sein.

Über HappyCow habe ich die einzig gelistete vegane Möglichkeit auf dem Weg nach Aix-les-Bains gefunden. In Sérignan stoppen wir, um die nette Besitzerin des GRRRFood kennenzulernen. Sie ist Einzelkämpferin und kann sich an ihrem Marktstand aber gut behaupten, denn vor ihrem Restaurant sind die Tische besetzt. Der Nachbar hat keine Gäste. Jeden Tag gibt es ein anderes Menü. Unseres nehmen wir vor einer Gewitterkulisse ein.

Der Rest des Tages ist wieder kilometerfressend. Bis Aix-les-Bains. Dann holt uns die Müdigkeit ein.

Endspurt

Wir sind schon mächtig am Ende. Ungefähr 650 Kilometer trennen uns von der Heimat. Das müssen wir jetzt noch schaffen.

Da wir nicht durchrauschen können, machen wir erstmal einen Halt in Genf. Frühstück gab es wieder mal keines, deshalb gehen wir direkt zum Mittagessen über und suchen das Café Mutin auf. Die nette Bedienung erklärt uns, dass sie noch ganz neu sind. Wir entscheiden uns für Burger und Curry und ein Stückchen Kuchen zum Nachtisch und sind glücklich, draußen sitzen zu können.

Um Zürich herum gibt es Stau, deshalb fahren wir nach Zürich rein. Dort bildet sich auch Stau. Das macht die Fahrt noch anstrengender und wir werden langsam ungeduldig. Es zieht sich wie Kaugummi. Langsam, dann noch um den Bodensee herum, und schon reisen wir wieder in Deutschland ein. Es ist direkt viel wärmer und schwüler als auf der gesamten Reise.

Während wir die letzten Kilometer über deutschen Boden nach München rollen, beobachten wir das tobende Unwetter am Horizont. Ja, die Reise war anstrengend und hat uns sehr viel Energie gekostet. Aber dennoch, wir halten in jeder Situation zusammen, egal an welche Grenzen wir geraten.





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