Südwesteuropa Teil II: Portugiesische Mautgeschichten

Franziska Reisebericht Schlagwörter: , , , , , , , , , ,
0

Unsere erste richtige Pause von der Fahrerei findet also in Nordportugal statt. Es fühlt sich gut an, es fernab von allen Städten ein bisschen ruhiger angehen zu lassen und endlich mal bei einem Kaffee auf der Restaurantsterrasse die Laptops heißlaufen zu lassen. Ich fühle mich wieder geerdeter und komme zu mir. Wenn alle Mails liegenbleiben und ich sonst keinen Überblick habe, werde ich unruhig und bin unausgeglichen.

Das kurzzeitige Verweilen lädt auch dazu ein, sich wieder bewusst zu werden, wer der Mensch ist, der da an meiner Seite steht. Ihn genau wahrzunehmen und nicht alles für selbstverständlich zu halten.

Jetzt ist auch endlich Zeit, um zu waschen. In einem Mix aus Spanisch und Englisch kommunizieren wir mit der Portugiesisch sprechenden Waschdame, die schließlich unsere Wäsche wäscht. Am Schluss fehlt jedem von uns genau ein weißer Strumpf. Ich rege mich auf, werde mir aber bald klar, wie abstrus es ist, sich wegen eines kleinen fehlenden Söckchens so zu ärgern (vor allem, als mir das Universum das Geschenk gemacht hatte, mir zuhause einen weiteren einzelnen weißen Strumpf im Schrank zu präsentieren).

Das Erlebnis des Tages wartet aber noch auf uns, als wir einen Spaziergang im Nationalpark unternehmen. Wir gehen einen Trampelpfad zu einem See hinunter und hören es neben uns rascheln. Kurz später erscheint die Ursache des Geräuschs in Form von vier ineinander verwobenen Ringelnattern, die mitten über den Fußweg kriechen.

Aber wir treffen nicht täglich wilde, gefährliche Raubtiere

Oder zumindest sind sie hinter einem Zaun, so wie die zwei Stiere mit den Kuhglocken direkt neben dem Campinggelände. Der nächste Tag im Park verläuft in etwa so wie der vorherige. Wir sind heilfroh, einen Tag länger als geplant zu bleiben, denn der erste Teil der Strecke hat uns wirklich einiges abverlangt.

Das Wetter ist weiterhin eher kalt so wie die letzten Tage, später fängt es wieder an zu regnen. Während in Deutschland die Hitze drückt, will mir keiner glauben, dass wir eine knapp zweistellige Temperatur haben und uns vor dem Regen verstecken.

 

Ab jetzt gibt es wieder Zivilisation

Es ist dann doch an der Zeit, die Nationalparkidylle zu verlassen und weiterzureisen. Die Dame an der Rezeption versichert uns, dass es kein Problem sei, ohne EasyToll-Registrierung bis nach Porto zu fahren. In den nächsten Tagen werden wir immer wieder unterschiedliche Aussagen und Meinungen hören. Ich glaube, selbst die Portugiesen wissen nicht genau, wie ihr Mautsystem funktioniert.

Zwei Stunden später passiert der Jeep die Stadtgrenze zu Porto. Erster Eindruck: Wunderschön, allerdings enge und steile Straßen und wir finden wieder mal keinen Parkplatz. Schließlich fahren wir ins Cardosas, einem Parkhaus, in dessen Eingang Oliver einen Sprinter hat stehen sehen. Als wir reinfahren, halten uns die Parkhauswächter direkt an und lassen uns auf der ersten Etage, die tatsächlich eine hohe Decke hat (aber auch nur dort!), stehen. Dafür parken sie sogar ihr eigenes Auto um. Superlieb.

Wir treffen uns dann mit einer Freundin von mir, die gerade zufällig in Porto ist, im Café Majestic, einem Jugendstilcafé. Es ist sehr touristisch überlaufen und teuer. Ich habe schon die Befürchtung, es wird alles voll mit Touristen sein in der Stadt, aber im weiteren Verlauf des Tages kommen wir anscheinend sehr gut um sämtliche Besuchergruppen herum.

Mittagessen gibt es für uns im Black Mamba. Hier stehen leckere vegane Burger auf der Speisekarte, ein kleiner Schallplattenladen befindet sich ebenfalls in der coolen Atmosphäre. Im Laufe der Reise mausern wir uns fast schon zu veganen Burgertestern. Danach verabschieden wir uns von meiner Freundin und schlendern fast planlos in Richtung Douro, dem Fluss, und landen auf einem großen Antikmarkt.

Als wir zum AirBnB-Apartment wollen, gibt es noch ein paar Schwierigkeiten, denn der Schlüssel ist nicht da, wo er sein soll. Unser Host entschuldigt sich aber mit Süßigkeiten und empfiehlt uns ein gehobeneres vegetarisch-veganes Restaurant. Wir reservieren direkt im Essência und bekommen einen Tisch für 22.30 Uhr. Das ist ja nicht unbedingt meine Abendessenszeit, aber als wir eine Stunde zu früh ankommen ist dennoch ein Plätzchen für uns frei. Der Weg hat sich gelohnt, denn es schmeckt sehr lecker und ist preislich echt günstig im Vergleich zu Deutschland.

Auf dem Rückweg treffen wir immer noch auf unzählige feiernde Fußballfans. Und obwohl es bereits Mitternacht ist, beschallt die Stadt ihre Bewohner noch mit lauter Musik. Das übertüncht zwar die Grölenden, ist aber etwas zu laut zum Schlafen.

Ich möchte unbedingt an die Algarve

Wenn wir schon in Portugal sind, möchte ich auch unbedingt an die Algarve. But first: Frühstück im Pop Cereal. Unzählige Cerealienpackungen aus aller Welt schmücken die Wände der Lokalität. Der Kellner berät uns ausgiebig zu den unterschiedlichen Möglichkeiten und antwortet freundlich auf alle nervigen „ist das vegan?“-Fragen. Wir finden es witzig hier. Ein Spanier erklärt uns später, dass solche Lokale in Portugal und Spanien aktuell wie früher die Bubble Tea Salons aus dem Boden sprießen.

In der Tourist Information fragen wir erneut nach der Maut. Uns wird gesagt, zur Algarve wäre es kein Problem, man zahle die einstelligen Autobahnen nach unten direkt am Mautschalter auf der Straße. Nur die zweistelligen gingen über die elektronische Maut. Leider wusste sie nicht, dass man nicht nur einstellige, sondern auch zweistellige Autobahnen als Zubringer nutzen muss, um gen Süden zu kommen. Aber auch das sei angeblich kein Problem, man könne das nachzahlen. Die Post (CTT), auf der man Mautwertkarten kaufen kann, hat heute leider nicht geöffnet. Ich bin mir nicht sicher, ob nicht irgendwann eine Art Strafzettel wegen unbezahlter Maut im Briefkasten warten wird.

Die Fahrt dauert wieder sehr lange. Am Ende der Mautstrecke zahlen wir 75 Euro, weil der Jeep an der Motorhaube zu hoch ist und wir in Klasse 2 eingestuft werden. Oder wir zahlen eben nicht, denn mit Karte können wir am Mautschalter nicht bezahlen und so viel Bargeld haben wir gerade nicht zur Hand. Stattdessen bekommen wir einen Zettel, der uns noch viel Freude bereiten wird. Er wird auf Olivers Personalausweis ausgestellt und soll angeblich auf der Bank bezahlt werden können.

In Luz bei Lagos fahren wir zu unserem Host und können auf der Terrasse bei Meerblick zu Abend essen. Paradiesisch. Wir sind so müde, dass wir einfach bei eingeschaltetem Licht schlafen, weil uns so die Mücke im Zimmer nicht terrorisiert.

Werden wir jetzt Mautpreller?

Um dem zu entgehen, ist unser erster Tagesordnungspunkt die Post (CTT) in Lagos. Hier fragen wir wieder nach unserem Mautproblem und bekommen eine 40 Euro-Mautwertkarte, die man freirubbeln und zusammen mit dem Kennzeichen per SMS aktivieren muss.

Um zum südwestlichsten Punkt Europas zu gelangen, fahren wir nach Sagres. Hier gibt es (ein Stück weiter westlich) in windiger Umgebung die „letzte Bratwurst vor Amerika“, für uns allerdings uninteressant. Landschaftlich ist es aber durchaus spannend und schön.

Zum Essen gehen wir lieber ins Dromedário. Der Koch ist Veganer und deshalb gibt es hier eine kleine Auswahl veganer Burger mit frischen Pommeschips. Schließlich fahren wir die Küste entlang nach Carvoeiro, wo wir uns ein Hotelzimmer gegönnt haben. In der Küchenzeile können wir nämlich die Kühlbox wieder mal entleeren und die Eisblöcke kühlen.

Wären wir doch mal lieber nicht über den Feldweg gefahren …

… das stellt sich für uns immer deutlicher heraus. Aber zunächst machen wir das erste und einzige Mal auf der Reise Yoga. Hier gibt es nämlich ausnahmsweise genug Platz im Raum und wir müssen erst um zwölf Uhr aus dem Zimmer auschecken.

Die angenehme Stimmung, die wir durch das Yoga bekommen, ist leider schnell wieder weg, als wir noch kurz zum Strand gehen. Erst den steilen Weg nach unten, kurz geguckt, alles schön und gut. Dann müssen wir uns aber wieder der Maut widmen. Wir haben da noch diese Mautschulden vom Weg Porto-Algarve… Leider geht das aber weder in der Bank noch bei der Post, alle schicken uns hin und her, denn wir haben kein portugiesisches Konto. An der Hotelrezeption können sie uns auch nicht helfen und schicken uns zum Intermarché Payshop. Der Payshop schickt uns zur Bank. Die Post schickt uns zur Bank. Die Bank sagt nein.

Ich rufe bei Viaverde, der Autobahngesellschaft, an und frage, wie zur Hölle wir diese Schulden begleichen können. Man sagt uns, wir sollten nach Faro auf das Amt, dort könnten wir es bezahlen. Ja, es gehe auch mit Karte. Wir wissen jetzt: Nein, es geht nicht mit ausländischer Karte. Zum Glück ist der Bargeldautomat nicht weit entfernt.

Das alles kostet uns so viel Energie und Nerven, dass ich jedem empfehle, nicht per Feldweg nach Portugal einzureisen.

Endlich alles geklärt und bezahlt. Erleichterung. Nun fahren wir über die Grenze nach Cádiz. Der Sprit in Spanien ist wieder viel günstiger als in Portugal. In der Stadt angekommen, parken wir auf einem öffentlichen Parkplatz am Bahnhof. Es kostet nichts, wirkt aber auch nicht sehr sicher. Nach dem Einchecken gehen wir noch zu Frityes, Pommes essen. Cádiz hat nämlich leider nicht viel veganes zu bieten. Dafür ist der Sonnenuntergang am Playa de la Caleta umso mehr zu empfehlen.

 





Schreibe einen Kommentar