Südwesteuropa Teil I: Frankreich, deine teure Autobahnen

Franziska Reisebericht Schlagwörter: , , , , , , , , ,
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Im Mai stand eine besondere Reise auf dem Programm: Die Umrundung der iberischen Halbinsel. Mehrere Personen haben gefragt, warum es keine tagesaktuelle Berichterstattung gab, denn wer uns auf Instagram folgt, hat gesehen, dass wir unterwegs waren. Für uns war es eine schöne Reise, auf der wir viel gesehen und erlebt haben, die uns aber auch an unsere Grenzen geführt hat. Nicht dass wir vorher nicht schon wussten, dass es anstrengend werden würde, da wir uns auf ein paar Kompromisse einigen mussten. Aber jede Reise ist für uns nicht nur ein örtliches Voranschreiten, sondern auch ein inneres Vorwärtskommen. Vielleicht spiegelt sich der aktuelle Wesenszustand in der Art, wie man reist, wider?

Unser Roadtrip durch Frankreich, Spanien und Portugal hat ein festes Ziel: Wir fahren zu einer Hochzeit in Südostspanien. Dieses Fest hat uns dazu inspiriert, auf unserer Reise mal bewusst den Partner wahrzunehmen.

Wie immer später als geplant

Los geht es an einem Freitag Anfang Mai. Unsere Fahrt startet obligatorisch später als geplant, denn die vielen Sachen wollen noch im Kofferraum untergebracht werden. Als wir an einer Stelle später Tramper am Straßenrand sehen, spricht kurz das schlechte Gewissen mit uns. Ein großes Auto vollgepackt mit Utensilien – ein weiterer Mitfahrer hätte hier keinen Platz mehr gehabt. Ist das absolute Dekadenz oder brauchen wir die Sachen wirklich?

Der erste Teil der Fahrt verläuft unspektakulär. In der Schweiz rollt der Jeep besonders gut, unser Spritverbrauch ist niedriger als in Deutschland. Die Vignette für die Schweiz haben wir vorher im ADAC Laden gekauft und die ca. 30 Euro waren eine gute Investition, denn die französischen Autobahnen stellen sich als eher teuer heraus. Die ca. 60 km Strecke, die wir dann noch in Frankreich zurücklegen, kosten uns knapp 20 Euro.

In unserem Ziel für den Tag, Oyonnax, kommen wir spät an, machen aber dennoch einen kurzen Spaziergang durch die Innenstadt. Es scheint wie eine typische französische Kleinstadt. Das Problem: Hier gibt es nichts veganes und unsere Mägen knurren ein wenig. Wenig prätentiös setzen wir uns kurz ins Auto und essen ein bisschen Müsli und eine Banane.

Oyonnax

Wir lassen schon direkt zu Beginn unzählige Meilen hinter uns

Unser Host, der sehr früh zum Arbeiten aufgestanden ist, hat uns Essen für das Frühstück auf dem Tisch stehen lassen. Es ist alles sehr süß und wirkt sehr unvegan, aber ein wenig Toast mit Marmelade und ein Kaffee ist für uns doch noch drin. Danach wollen wir direkt weiter, denn die zweite lange Strecke steht auf dem Plan. Aber bevor es losgeht, noch kurz in den Intermarché geflitzt und ein bisschen Essen besorgt. Wir haben sogar überraschenderweise vegane Bratlinge gefunden, die uns geschmacklich aber nicht überzeugt haben.

Wir durchqueren Frankreich auf dem Weg nach Bordeaux jetzt fast von Osten nach Westen. Die Maut kommt uns aber teuer zu stehen. Ständig passieren wir Mautstationen, bei denen man zum Glück auch schnell mit Karte zahlen kann. Insgesamt blättern wir auf dem Hinweg 108,50 Euro für die Autobahn hin. Das erscheint uns aber sinnvoll, um nicht das gesamte Land auf der Landstraße mit seinen unzähligen Kreiseln zu durchfahren.

Am frühen Abend kommen wir jedoch in Bordeaux an und schon der erste Eindruck trügt uns nicht: Wir haben es mit einer wunderschönen Stadt zu tun. Die Suche nach dem Parkhaus (Parkhaus Jean Jaures / Place de la Bourse), das wir von unserem Host empfohlen bekommen haben, gestaltet sich schwierig. Wir landen in immer kleineren Gässchen und finden irgendwann zufällig den halb versteckten Eingang. Schon im Voraus haben wir über die Website einen Parkplatz reserviert, denn auf einer Etage kann man auch mit einem etwas höheren Auto parken.

Unsere Unterkunft ist ein süßes Ein-Zimmer-Apartment mitten in der Altstadt, direkt in einer Restaurantmeile. Das bedeutet, dass es nachts noch eine ganze Weile ziemlich laut ist, wir sind aber sehr erschlagen von den zwei langen Autofahrten und klettern nach dem Essen fast direkt ins Bett.

Kuchen und Burger an Olivers Geburtstag

Heute ist ein besonderer Tag unserer Reise. Es ist Olivers Geburtstag. Nach dem Frühstück gehen wir los, besichtigen eine Kirche und laufen noch ein bisschen wirr durch die Gegend. Im Banana Café gibt es dann Kaffee und veganen Kuchen zur Feier des Tages! Im Musée d’Aquitaine lernen wir etwas über die Geschichte der Region – am heutigen Sonntag bei kostenlosem Eintritt.

Beim Herumschlendern erkunden wir noch ein bisschen von Bordeaux‘ Schönheit. Das Internet hatte Recht: Es sagte mir, dass das Flair der Stadt durch das Zusammenspiel der Gebäude zustande komme und nicht durch extravagante Bauwerke gekennzeichnet sei.

 


Wir laufen durch süße kleine Gässchen und kommen zum Abendessen im The Wild Note an. Hier gibt es Olis Lieblingsspeise: vegane Burger. Die Burger schmecken, nur der Coleslaw ist ein wenig fade. Dafür sind die Bediensteten sehr nett und unterhalten sich noch kurz mit uns.

Wichtig für den Abend: Oliver trinkt noch einen Bordeaux in Bordeaux.

Die erste Nacht in Spanien

Am nächsten Morgen geht es direkt weiter. Auf dem Weg fahren wir wieder einkaufen. Für mich ist sehr praktisch: Es gibt meistens Kundentoiletten im Intermarché.

Unsere Mittagspause verbringen wir dann schon in Biarritz. Es ist warm und die Sonne brennt uns aufs Haupt, während wir von einer Bank an der Straße aus nach unten auf den Strand und die Wellen schauen. Einige Surfschüler versuchen an diesem windigen Tag die Wellen zu bezwingen.

Unser Ziel ist der Noja Camping Playa Joyel in der Nähe von Santander. Der Plan ist, viel zu campen, da wir uns vorher den ADAC Campingführer mit der Camping Card gekauft haben, um ein paar Rabatte zu bekommen. Was wir noch nicht wissen: Der Wettergott steht nicht auf unserer Seite. Der Campingplatz ist riesig und es ist so gut wie gar nichts los. Überall stehen leere überwinternde Camper, die uns bedrohlich auf der Suche nach einem freien Plätzchen begutachten.

Innerhalb weniger Minuten ist das Dachzelt aufgebaut und der Grill wird eingeweiht. Der Son of Hibachi wird schnell heiß, denn nachdem man die Kohle hineingelegt und angezündet hat, klappt man ihn zu und lässt ihn nach einem Kaminprinzip erhitzen. So heiß wie der Grill ist die Lufttemperatur allerdings nicht. Mit jeder weiteren Minute kriecht die Abendkühle in unsere Glieder. Ich habe schließlich so viele Schichten Klamotten an, wie mir zur Verfügung stehen. Meeresrauschen ist das Geräusch dieser Nacht.

Kälte und Regen gehören auch dazu

Nach der Kälte fängt es morgens an zu nieseln, als wir gerade Frühstück machen wollen. Statt Müsli in den Campingstühlen klappen wir also schnell das Zelt zusammen und essen im Auto. Unser Fazit des Campingplatzes: Für uns ist er zu groß, deshalb ist gut, dass noch fast keiner dort war. Von der Sauberkeit ist er in Ordnung.

Unser Weg führt uns dann nach Santander, wo wir uns den Palacio de la Magdalena ansehen wollen. Leider werden wir nur auf Spanisch herumgeführt, deshalb verstehen wir nicht alles. 3 Euro für eine Stunde Führung sind aber total in Ordnung. Schöner finde ich allerdings das Herumspazieren auf der Landzunge danach. Wir setzen uns an ein ruhiges Plätzchen und meditieren zum Meeresrauschen.


Wir essen im einzigen veganen Restaurant in Santander zu Mittag. Die Dame im La Parada de San Martín stellt uns das Menü vor. Der erste Gang, Chili sin carne mit Nachos, ist für mich eigentlich schon ausreichend. Dann jedoch landet noch Gang zwei auf unserem Tisch, Lasagne für mich (nicht so lecker), Bratlinge mit Bratkartoffeln für Oliver (besser). Ich glaube, die Bedienung ist etwas enttäuscht, als wir die Nachspeise ablehnen, aber wir können einfach nicht mehr.

Mit den ganzen Kalorien intus hätten wir wahrscheinlich die restliche Strecke des Jakobswegs nach Santiago de Compostela in einem Durchmarsch laufen können. Stattdessen wählen wir die moderne Variante. Ich frage mich, ob es Menschen gibt, die den Jakobsweg überzeugt mit dem Auto fahren. Das Navi kennt die tolle Autobahn durch die fantastische nordspanische (Berg-)Landschaft noch nicht und möchte auch lieber den Wanderweg nehmen.

Um halb zehn abends sind wir endlich da und parken kostenlos am Park. Um dahin zu gelangen müssen wir jedoch ein wenig aufpassen, denn es gibt viele Menschen, die einfach quer über die Straße und ein wenig wirr herumlaufen. Wir kommen zu der mit Abstand schlechtesten Unterkunft der Reise. Sagen wir so: Sogar das Bett ist eigentlich eher für eine Person gedacht. Um nicht zu viel Zeit in diesem Zimmer zu verbringen, gehen wir uns im Dunkeln schon mal die Altstadt angucken. Oliver versucht noch etwas zu essen zu bekommen und wir stellen fest, wie schwierig es ist, einem asiatisch-spanischen Menschen zu erklären, was vegan ist. Er hat es jedenfalls nicht wirklich verstanden.

Wir erleben das Ziel des Jakobswegs

Der Schlaf war unangenehm, deshalb sind wir so schnell wie möglich aus der Unterkunft weg. Es gibt wieder mal ein kulinarisches Highlight: Müsli im Auto. 1,05 Euro um einen halben Tag zu parken ist das nächste Highlight. Die Krönung ist allerdings die berühmte Kathedrale, in der die Überreste des Heiligen Jakobus ruhen, zu denen die Pilger wandern. Wir versuchen die spirituelle Stimmung einzusaugen, setzen uns in eine Kirchenbank und meditieren ein paar Minuten. Auf mich wirkt es eher wie ein touristischer denn andächtiger Menschenstrom.


Die Übernachtung hat keine so positiven Nachwirkungen. Umso besser, dass wir den Bioladen O Xardin dos Soños finden, der ein Café integriert hat. Es gibt Kaffee und ein saftiges Stück Schokokuchen. Frisch gestärkt fahren wir nach einem kurzen Einkauf los in das nächste Land unserer Reise: Portugal! Wir haben gelesen, dass wir uns an der Grenze des Landes an einem Service Point mit unserem Kennzeichen und der Kreditkarte registrieren können, so dass die Autobahnmaut automatisch bezahlt wird.

So weit kommt es aber nicht – wir passieren dank Navi die Landesgrenze an einer sehr ungeeigneten Stelle. Statt normaler Straße befindet sich ein kurviger Kieswaldweg mit vielen Schlaglöchern unter den Rädern. Ich als Mensch mit sehr leicht auslösbarer Reisekrankheit habe jetzt meinen Spaß.

Nachts soll es wieder 8 Grad bekommen, deshalb entscheiden wir uns dazu, auf dem Campingplatz Parque Cerdeira im Nationalpark einen Bungalow zu mieten. Wir möchten zudem das am Morgen leicht feucht gewordene Zelt auslüften und trocknen lassen.





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